Chronik von 1900 - 1994


 Das wohl älteste Bild der Stadtkapelle Scheer aufgenommen um 1900

 Es bestand schon vor der eigentlichen Gründung in Scheer eine Interessengemeinschaft bzw. musikbegeisterte Gruppe.
Verschiedene Aufschriebe, dass in Scheer musiziert wurde, gehen sogar bis ins 16. Jahrhundert zurück. Die Gründung der
Stadtkapelle Scheer e.V. erfolgte dann aber im Jahr 1880. Es muss sich um eine Art Festigung der damaligen Spielgruppe
gehandelt haben. Unter Mithilfe des Fabrikanten Kommerzienrat Jakob Kraemer und der ganzen Bevölkerung konnte durch eine
Art Aktie Geld für den Verein und den Kauf von Instrumenten gezeichnet werden.

Josef Ramsperger wurde zum Dirigenten gewählt und die Kapelle zählte damals 15 Mann. Ramsperger war bis zum Jahr 1910
als Dirigent tätig.

Nachfolger von Ramsperger wurde Johannes Haga, der bis zu diesem Zeitpunkt aktiver Musiker war.

Bei verschiedenen Wertungsspielen auf Musikfesten errang die Kapelle beachtliche Preise und Auszeichnungen.

 


Die Stadtkapelle Scheer im Jahr 1929

 

Anfang der 30er Jahre legte Johannes Haga den Taktstock aus der Hand und Karl Linder übernahm die Leitung der Stadtkapelle.
Unter seiner Leitung gelang der Stadtkapelle beim Wertungsspiel anlässlich eines Musikfestes in Hohentengen ein 1.Preis in der Mittelstufe.

Während des 2.Weltkrieges hat Karl Linder die Leitung dann altershalber abgegeben und  die Stadtkapelle wurde zeitweilig von Xaver Stauß
geleitet. Nach dem Krieg kam es aufgrund von verschiedenen Verordnungen und Vorschriften der Besatzungsmacht zu einer
Wiedergründung der Stadtkapelle. Diese Versammlung fand am 30.Juni 1947 im Gasthaus zum „Deutschen Hof“ statt.

Wunibald Knor Senior wurde zum Vorsitzenden gewählt. Er war überhaupt der erste Vorsitzende des Vereins. Adalbert Saile wurde zum
Dirigenten bestellt. 14 aktive Musiker waren es zu diesem Zeitpunkt und sehr wichtig war zu damaliger Zeit eine Genehmigung für einen Verein. Die Musiker, die damals zum Maifest spielen wollten, wurden zwei Tage eingesperrt. Eine harmlose Vereinstätigkeit wurde damals als Wehrtätigkeit abgestempelt. Unter der Leitung von Adalbert Saile als Dirigent und der Führung des Vereins durch Wunibald Knor, wuchs die Kapelle sehr schnell und musikbegeisterte junge Männer schlossen
sich dem Verein an. Nachdem man sich durch Konzerte, Tanzspiel und durch Spenden ein gewisses finanzielles Polster erwirtschaftete,
wurde im Jahr 1950 eine Uniform angeschafft. Für 1000,-- DM konnte die damals 19 Mann starke Kapelle eingekleidet werden


 


 Die Stadtkapelle Scheer im Jahr 1953

 


Auszug aus der damaligen Festschrift

Am 19. und 20.Juli 1952 wurde ein Musikertreffen veranstaltet und dabei das 70 jährige Vereinsjubiläum nachgefeiert.17 benachbarte
Kapellen waren gekommen und musizierten anschließend bei herrlicher Sommerwitterung im schön geschmückten Schlosspark.

 


 


 In der Chronik der Stadtkapelle Scheer e.V. ist vermerkt, dass der Rest der 50-er Jahre mit einem Auf und Ab gekennzeichnet gewesen ist. Durch
ein gesondert angelegtes Sparbuch und Gelder von einer Sammlung bei der Bevölkerung und den ortsansässigen Firmen, konnte 1961 eine neue Uniform gekauft werden. Für eine 30 Mann starke Kapelle kostete dies damals 6.000,-- DM.



 Die Stadtkapelle mit ihrer damaligen „grauen“ Uniform, angeschafft 1961

Im Jahr 1967 gab Wunibald Knor sen. das Amt des Vorsitzenden in die Hände seine Sohnes Wunibald Knor jun., der damals einstimmig
gewählt wurde.

Bei der Generalversammlung am 11. Januar 1969 wurde Dirigent Adalbert Saile auf eigenen Wunsch in den Ruhestand verabschiedet. Er
wurde zum Ehrendirigent ernannt und Nachfolger wurde Reinhold Lehr.

 


 Reinhold Lehr war Dirigent der Stadtkapelle Scheer von 1969 bis 1983

Inzwischen hatte die Stadtkapelle auch eine Egerländerabteilung, die einen sehr guten Ruf besaß und die intensive Probenarbeit machte
sich in der Gesamtkapelle deutlich bemerkbar.

Steigende Mitgliederzahlen zeigten, dass man auf dem richtigen Weg war.

 

Im Jahr 1974 musste eine neue Uniform angeschafft werden. Man entschied sich damals für eine blaue Uniform. Der Preis lag damals bei
14.000,-- DM für 35 aktive Musiker.

 

 


 

Hintere Reihe von links nach rechts:

Herbert Pröbstle, Helmut Rapp, Rudolf Will, Xaver Stauß, Franz Lehr, Heinz Blaha, Armin Franke

 

Mitte von links nach rechts:

Wunibald Knor jun. Franz Gutknecht, Siegmund Fischer, Ferdinand Haga, Manfred Christ, Reinhold Lehr, Gerhard Heim, Eugen Heim, Bernhard Ströbele, Eugen Hering, Bernhard Saile, Christine Haga,Alwin Knor, Artur Stöckler

 

Vorne von links nach rechts:

Siegfried Saile, Erich Gutknecht, Xaver Weckerle, Erwin Lang, Albert Ils, Adolf Hüglin, Hans-Jürgen Ehm

 

Unter Dirigent Reinhold Lehr wurden in den folgenden Jahren die Osterkonzerte durchgeführt in denen die Stadtkapelle Scheer ihr Können in der konzertanten Blasmusik unter Beweis stellte.

Viele kommunale und kirchliche Auftritte begleiteten die Musiker damals ohne Wenn und Aber.

In die Zeit der 70er Jahre fiel unter anderem die Einweihung der Turn- und Festhalle in Scheer. Mit den Weinfesten, die dann dort jahrelang abgehalten wurden, war die Stadtkapelle Vorreiter und machte sich weit über den Landkreis hinaus einen Namen.

 


 

 


Das Bild zum 100 jährigen Jubiläum im Jahr 1980

 

Die 80er Jahre brachten sehr viele Veränderungen bei der Stadtkapelle. Das größte Ereignis aber war zweifelsfrei die Amerika-Reise im Jahr 1982. Vom 25.Juni bis 9.Juli brach man auf zu einer 14-tägigen Konzertreise in die U.S.A. Verstärkt war die Stadtkapelle mit einigen Musikanten aus Nachbarvereinen. Über die Organisation Schwaben International war ein 14-tägiges Programm vorbereitet, das allen 42 Teilnehmern noch lange in Erinnerung bleiben wird. Die Stadtkapelle legte in den 14 Tagen über 4000 Kilometer zurück und war in insgesamt 8 Staaten. Die Musikerinnen und Musiker aus Scheer sahen New York, Washington und die Niagarafälle und musizierten bei 2 großen Festen, sowie bei einer Parade am 4.Juli in Plainfield.

 

 


 

 


aus der Schwäbischen Zeitung vom 15.Juli 1982

 


 

1983 gab Dirigent Reinhold Lehr den Taktstock ab. In einer Wahl wurde am 08.April Christine Haga zur neuen Dirigentin der Stadtkapelle gewählt. Christine Haga kam vom Fach und aus den eigenen Reihen, hatte sie doch ihr Musikstudium gerade beendet und spielte zuvor die 1.Klarinette im Verein. Mit ihr vollzog sich auch ein Generationswechsel bei der Stadtkapelle. Einige Musiker schieden altershalber aus und andere wollten den neuen Weg nicht mitgehen, weshalb die jüngeren mehr Verantwortung tragen mussten. Zielstrebig verfolgte die neue Dirigentin ihren musikalischen Weg und brachte die Stadtkapelle Scheer zu noch mehr Ansehen im Bereich der konzertanten Blasmusik. Bereits das erste Wertungsspiel unter ihr brachte ein sehr gutes Ergebnis mit Auszeichnung in der Oberstufe.

Auch in der Vorstandschaft gab es in den 80-er Jahren einen Wechsel. 1986 gab Wunibald Knor das Amt ab und zu seinem Nachfolger wurde Eugen Heim, bisher 2.Vorsitzender und über 20 Jahre lang Schriftführer und Chronist, gewählt.

Dirigentin Christine Haga forcierte die Jugendarbeit im Verein und durch intensivere Probenarbeit formte sie ein Orchester, das zum Einen durch gute Noten bei den Wertungsspielen und zum Anderen durch gute Konzerte auf sich aufmerksam machte. Dass Christine Haga eine sehr gute Fachkraft ist, blieb nicht lange unerkannt und nachdem sie auch das Kreisverbandsjugendorchester auf Vordermann brachte, erhielt sie logischerweise Anfragen und wurde so zur Dirigentin der Feuerwehrkapelle Stetten a.k.M. Der Stadtkapelle Scheer blieb sie jedoch treu und verwirklichte in 2 Musikvereinen ihre unbestrittene musikalische Qualität. Die Konzerte in Scheer wurden deshalb auf Dezember verlegt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dirigentin Christine Haga gibt den Takt an Vizedirigent Jürgen Sauter trägt die neue Uniform in der Farbe rot

 

Im Jahr 1989 feierte man in Scheer die 700 Jahr-Feier der Stadt. Die Stadtkapelle ließ dazu vom Komponisten Martin Scherbacher die „Graf-Andreas-Suite“ schreiben und errang mit dieser beim Wertungsspiel in Ostrach im Mai 1990 eine hervorragende Note. Die Jugendarbeit machte sich bemerkbar und die Kapelle wuchs. Da man von der Uniform keine Teile mehr nachkaufen konnte wurde angedacht eine neue zu kaufen. Vorstand Eugen Heim und der damalige Kassier Hans Jerger engagierten sich sehr stark um den Neukauf zu verwirklichen. Im Jahr 1992 war es dann soweit. Die neue Uniform wurde geliefert und beim Konzert zu ersten Mal getragen.

 


 

Bei der Jahreshauptversammlung im Januar 1994 gab es einen Wechsel an der Spitze des Vereins. Eugen Heim stellte sein Amt zur Verfügung und zu seinem Nachfolger wurde Franz Lehr gewählt, der aktiv in der Stadtkapelle mitwirkt.

Um die durch den Uniformenkauf arg strapazierte Kasse wieder auf Vordermann zu bringen, übernahm die Stadtkapelle in den kommenden Jahren die Bewirtung am Hauptplatz beim Brunnenfest. Die eigene Veranstaltung, die Schloßhofhockete, war mehr und mehr vom Wetter abhängig und im zugigen Schlosshof brauchte man zum Gelingen besonders gutes Wetter. Nachdem es immer öfters zu witterungsbedingten Absagen kam, blieb das Brunnenfest und das Konzert Haupteinnahmequelle des Vereins.

 


 


Hintere Reihe von links:

Jürgen Sauter, Vera Brunner, Dieter Christ, Harald Gönner, Tanja Zimmerer, Georg Arnold, Rainer Birkenmaier, Herbert Stauß, Xaver Weckerle,Bernd Kraft, Dieter Wobbe, Andreas Stauß, Tobias Krebs, Martin Gutknecht

 

Mittlere Reihe von links:

Stefanie Ehm, Nadja Beller, Sandra Krebs, Eva-Maria Braig, Thomas Rapp, Franz Lehr, Andreas Zimmerer, Henrike Heim, Petra Gönner, Silke Hämmerle, Bettina Häberle, Horst Hering, Marion Rapp

 

Vordere Reihe von links:

Herbert Heinzelmann, Herbert Pröbstle, Hans-Jürgen Ehm, Christine Haga, Sebastian Wobbe, Jens Bitterwolf, Melanie Zimmerer

 

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